Das ist neu in Laupheim: Die Friedrich-Adler-Realschule kooperiert ab sofort mit der Drogeriekette "dm" und der Kässbohrer Geländefahrzeug AG. Künftig wollen die drei Partner von einander lernen . Eingefädelt hat das Arrangement die IHK. Die Firmen machen die Realschüler fit für die Berufswelt.
Eine "besonders glückliche und stolze Schulleiterin" hat sich Romy Popp von der Friedrich-Adler-Realschule jüngst genannt. Denn zwei Firmen, "die einen außergewöhnlichen Ruf genießen", gehen mit der Schule eine Kooperation ein. Der Drogerie-Riese "dm" aus Karlsruhe hat sich die Laup-heimer Schule ausgesucht. Und auch Kässbohrer war von der IHK Ulm leicht zu überzeugen. Daniel Stadler, Personaler bei Kässbohrer: "Wir haben gleich gesagt, das machen wir." Im "Bildungsnetz Schule /Wirtschaft" der IHK Ulm sind inzwischen 15 Schulen und Betriebe engagiert. Landesweit sind es 130.
Worum geht es? "Um ökonomische Bildung", sagt Martina Doleghs (IHK). Schule und Wirtschaft wollen gemeinsam Verantwortung übernehmen, damit "der Anschluss nach dem Abschluss klappt". Selbst im behüteten Oberschwaben brechen elf Prozent der Azubis ihre Ausbildung ab, bundesweit sind es 20 Prozent, "ein enormer volkswirtschaftlicher Schaden", findet Doleghs. Meist genannter Grund sei, dass sich die jungen Menschen den angepeilten Beruf anders vorgestellt haben. Dem will die Kooperation Schule/Wirtschaft vorbeugen. Und das geht so: Neben gezieltem Training für die Bewerbungsphase lernen die Jugendlichen vor allem, wie eine Firma generell funktioniert, was sie herstellt, wie sie ihre Produkte vertreibt. So werden Schüler bald mit eigenen Augen sehen, wie ein Pistenbully am Bildschirm entworfen und in der Montagehalle zusammengeschraubt wird.
Eine "dm"-Filialleiterin erklärt den Jugendlichen im Unterricht die Struktur der Haut, bringt die einzelnen Inhaltsstoffe einer Crème mit und lässt die Schüler in eigenen Tiegeln rühren. Die Kinder aus der Unterstufe werden Kräuter sammeln und ein Herbarium anlegen. Gesunde Ernährung und Lebensmittelzusätze kommen ebenso zur Sprache.
Doch nicht nur die Kinder sollen vom anschaulichen Unterricht profitieren. Damit sie sich in die Materie hineindenken können, werden die jeweiligen Lehrer die Firma Kässbohrer ebenfalls erkunden, bei dem Drogisten gibt es für die Pädagogen ein gezieltes Praktikum in der Laupheimer Filiale. Auch werden sie eine Fortbildung genießen, die jeder "dm"-Mitarbeiter einmal absolviert, einen Theaterworkshop. Klingt spannend.
Wie profitieren die beteiligten Firmen? Schon vor dem Schulabschluss wolle man bei möglichen Bewerbern das Interesse für die Firma wecken, erklärt Heidrun Schwarz, verantwortlich bei "dm" für das Gebiet Allgäu. "Der Praxisbezug soll begeistern, die Jugendlichen dürfen sich bei uns ausprobieren, neue Fähigkeiten entdecken, sich andere Perspektiven auftun."
Bürgermeisterin Monika Sitter weiß als Dienstherrin selbst, wie schwierig es ist, "sich durch ein kurzes Gespräch und ein paar Seiten Papier ein Bild vom Bewerber zu machen". Deshalb sei es gut, "wenn man zeitig aufeinander zugeht".
Die Schule muss einen "Schonraum" für Schüler bieten, erklärte Wolfgang Mäder, Leiter des Amtes für Schule und Bildung im Kreis, aber sie müsse auch den Blick nach außen haben. Eine gute Kommunikation mit dem "Abnehmer" der Abschlussschüler sei zu begrüßen. Und Thomas Weise von der IHK Stuttgart schwor die drei Vertragsparteien ein: "Kooperationen leben von den Partnern."
Für ein Jahr haben sich die Realschule und die beiden Firmen aneinander gebunden. Danach kann das Schriftstück verlängert werden. Und das will Romy Popp auch. Stichwort Nachhaltigkeit. Die Realschule möchte die gegenseitigen Besuche und Lerneinheiten ins Schul-Curriculum aufnehmen. |